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Game Changer: Gefährliche Solidarität führt zum Ende der Strafe

Vor rund 50 Jahren wurden Frauen auch in Frankreich, Österreich und Deutschland noch dafür bestraft, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen. Abhalten ließen sie sich davon allerdings nicht. Schätzungen zufolge wurden jedes Jahr tausende Abbrüche heimlich durchgeführt.

 

Für die Frauen stand viel auf dem Spiel, sie riskierten gesundheitliche Schäden bis hin zum eigenen Tod. Der reichere Teil der Bevölkerung konnte es sich leisten, ins Ausland zu reisen, um dort einen sicheren Abbruch vornehmen zu lassen. Doch die Menschen mit weniger Geld waren einem höheren Risiko ausgesetzt. Öffentlich sprach jedoch niemand darüber.

 

Höchste Zeit also, sich anzusehen, wie das Tabu gebrochen wurde.

 

Frankreich wird zum Vorbild

 

Das Wochenmagazin Nouvel Observateur veröffentlichte 1971 einen Bericht mit dem Titel "Wir haben abgetrieben" und entfachte dadurch eine  heiße Diskussion darüber, ob ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen tatsächlich sinnvoll war. In dem Artikel bekannten sich 343 Französinnen dazu, illegal abgetrieben zu haben, darunter auch Berühmtheiten wie Simone de Beauvoir. Sie zeigten damit, dass das Verbot Abtreibungen nicht verhindern konnte, sondern sie nur gefährlicher machte.

 

Nur wenige Monate später landeten die Passfotos von deutschen Frauen auf dem Titel des Sterns. 374 Frauen bekannten sich damit öffentlich dazu, einen Abbruch gehabt zu haben. Auch Persönlichkeiten wie Romy Schneider oder Senta Berger schlossen sich der Bewegung an. Die Aktivistin Alice Schwarzer hatte die Unterschriften über Wochen zusammengetragen und sorgte dafür, dass die Berichterstattung den Aufruf beinhaltete, Abtreibungen zu legalisieren.

 

Gefährliche Solidarität

 

Die Aktion sorgte auch in Deutschland für eine emotionale Diskussion. Da Abbrüche zu dem Zeitpunkt unter Strafe standen, wurden Verfahren gegen einige der Frauen eröffnet. Viele wurden von ihrem sozialen Umfeld danach geächtet, verloren Freundschaften oder Partner.

 

Dabei hatten einige der Frauen in Wahrheit gar keinen Abbruch hinter sich. Sie beteiligen sich aus Solidarität für diejenigen an der Aktion, die unter den damaligen Zuständen litten. Verurteilt wurde schließlich keine von ihnen, trotzdem bezahlten viele Frauen einen Preis dafür. Sie waren aber bereit, dieses Opfer zu erbringen, denn aus der Aktion entstand eine Frauenbewegung, die schlussendlich dafür sorgte, dass der Abbruch unter bestimmten Umständen heute nicht mehr unter Strafe steht.

 

In Frankreich schaffte die Politikerin Simone Veil die Strafen auf Abtreibungen schon wenige Jahre danach ab, in Deutschland dauerte es noch ein wenig länger.

 

Weitere Entwicklung

 

Obwohl Abtreibungen heute unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden, die Bevölkerungszahl in den vergangenen 50 Jahren deutlich gestiegen ist und vermehrt auch Personen aus dem Ausland Abtreibungen in Deutschland vornehmen lassen, sank die Zahl der vorgenommenen Abbrüche seit den 70ern um mehr als 80%!

 

In Österreich werden dazu keine Zahlen erhoben, es ist allerdings anzunehmen, dass es sich dort ähnlich verhält.

 

Was ist also passiert, dass die Zahl der Abbrüche so stark sank?

 

 

Wer also wirklich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche reduzieren möchte, sollte also offensichtlich nicht über Verbote nachdenken, sondern mtihelfen, die Situation von Frauen und Müttern zu verbessern.

 

 

 
Quellen:

 

https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/die-abtreibungsdebatte-der-neuen-frauenbewegung

 

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/232/umfrage/anzahl-der-schwangerschaftsabbrueche-in-deutschland/

 

https://www.emma.de/artikel/wir-haben-abgetrieben-265457

 

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